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Sogenannte Nackthunde:

Chinese Crested * Perro sin Pelo del Peru * Xoloitzcuintle

Hunde vom Urtyp

Sogenannte Nackthunde, das verkannte Erbe der Evolution

Wunderschöne Begleiter oder leidende Kreaturen? Wer sich mit den Hunden vom Urtyp – Chinese Crested, Perro sin Pelo del Perú und Xoloitzcuintle – beschäftigt, stößt schnell auf ein Dickicht aus Mythen und Halbwahrheiten. Wir räumen mit den größten Vorurteilen auf und zeigen, warum diese faszinierenden Hunde alles andere als eine „Qualzucht“ sind.

Ein Blick zurück: 3.000 Jahre Geschichte und Evolution

"Nackthunde" sind keine Erfindung moderner Züchter oder das Ergebnis eines menschlichen Experiments. Sie sind lebendige Kulturgüter und urtümliche Hunde. Schon vor drei Jahrtausenden wurden sie in Mittel- und Südamerika als treue Gefährten, Heiler und sogar als Gottheiten verehrt. Ihre wenigen Haare sind das Ergebnis einer natürlichen Mutation – eine Anpassung an klimatische Bedingungen, die wir Menschen übrigens in ähnlicher Form durchlaufen haben. Genau wie die Menschen haben sie sich hervorragend an ihre Umwelt angepasst. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass sie „schutzlos“ seien. Tatsächlich zeigen Untersuchungen, dass sich die Haut dieser Hunde physiologisch verändert hat, um das fehlende Fell zu kompensieren. Sie sind Kinder einer jahrtausendealten Entwicklung, deren kaum vorhandenes Fell kein „Fehler“, sondern ein Erbe der Natur ist.

Sog. Nackthunde sind auch kein modernes „Designer-Produkt“, sondern natürliche Hunde vom Urtyp, deren Mutation zur Haarlosigkeit bereits vor über 3.000 Jahren dokumentiert wurde.

Halter und Züchter fordern daher eine Rückkehr zur Sachlichkeit. Tierschutzrechtliche Bewertungen müssen auf Basis aktueller Forschung erfolgen, statt auf jahrzehntealten Vorurteilen oder ideologischer Verbissenheit zu fußen.

Die „Qualzucht“-Debatte: Fakten gegen Vorurteile

 

In Deutschland wird oft behauptet, sog. Nackthunde würden unter ihren wenigen Haaren leiden. Doch die moderne Tiermedizin und Ethologie (Verhaltensforschung) zeichnen ein völlig anderes Bild. Organisationen wie der Club für Exotische Rassehunde (CER) und die Initiative NaHaNu (Verein der Freunde von Nackthunderassen e.V.) leisten hier wichtige Aufklärungsarbeit, um gängige Mythen zu entzaubern. Aktuelle Gutachten namhafter Experten widerlegen die pauschalen Annahmen des veralteten BMEL-Gutachtens (sog. Qualzuchtgutachten) aus dem Jahr 1999, veröffentlicht 2002, dessen Grundlagen teils auf Quellen des 19. Jahrhunderts oder fragwürdigen Hybriden-Experimenten basieren. „Die Behauptungen über systematische Leiden oder Immundefizite sind wissenschaftlich unhaltbar“, so die zentrale Aussage der vorliegenden Expertisen. Auch die oft zitierten Gebissanomalien führen nachweislich nicht zu funktionellen Schäden oder Schmerzen bei der Nahrungsaufnahme.

Fünf große Vorwürfe stehen dabei immer wieder im Raum, die bei näherer Betrachtung wissenschaftlich nicht haltbar sind:

1. Das Gebiss: Funktionalität statt Norm-Diktat

Es wird oft behauptet, das Gebiss sei fehlerhaft und verursache Schmerzen. Fakt ist: Es liegt eine Gebissbesonderheit vor. Während die „Norm“ oft bei 42 Zähnen festgesetzt wird, haben diese Ur-Rassen häufig weniger Zähne. Studien belegen jedoch: Die Futteraufnahme ist völlig unproblematisch. Ob hartes Futter oder Knochen – die Kaubewegungen sind kräftig und gesund. Den Hunden fehlt es an nichts; ihr Gebiss ist vollständig funktional.

2. Der Letalfaktor: Ein natürlicher Vorgang

Ein schwerwiegender Vorwurf besagt, Embryonen würden im Mutterleib sterben. Die Wissenschaft stellt klar: Nicht lebensfähige Früchte werden in einem extrem frühen Stadium embryonal resorbiert. Dies ist ein natürlicher Vorgang, der weit vor dem Schutzbereich des "Qualzuchtparagrafen" (§ 11b TierSchG) stattfindet. Bei verantwortungsvoller Zucht (heterozygoter Erbgang) treten zudem keine perinatalen Todesfälle auf.

3. Haut, Sonne und Wärme: Ein Organ der Anpassung

Man behauptet, die fast nackte Haut sei dünn, verletzlich und unfähig zur Thermoregulation. In Wahrheit ist die Haut dieser Hunde dicker, robuster und stark pigmentiert.

  • Wärme: Die Thermoregulation erfolgt beim Hund primär über das Hecheln, nicht über das Fell. Sog. Nackthunde geben Wärme sogar effizienter ab.

  • Kälte: Wie bei anderen Kurzhaarrassen auch, hilft bei extremer Kälte ein Mantel – ein simpler Schutz, den wir auch für uns Menschen beanspruchen.

  • Schutz: Die Haut ist lebendig, warm und stabil. Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg für eine erhöhte Verletzungsanfälligkeit oder systematische Hautkrankheiten.

4. Kommunikation: Die Sprache der Muskeln und Mimik

Ein absurder Vorwurf lautet, ohne Fell könnten diese Hunde nicht kommunizieren. Das Gegenteil ist der Fall: Da kein Fell die Körperpartien verdeckt, ist jede kleinste Muskelbewegung, jede Mimik und jede Geste noch klarer lesbar. Sie sprechen die universelle Sprache der Hunde, über Augen, Ohren und Rute.

5. Der Vibrissen-Check: Tastorgane sind vorhanden

Ein häufiges Argument für Ausstellungsverbote ist das angebliche Fehlen von Vibrissen (Tasthaaren). Der Faktencheck bei Inaugenscheinnahme der Hunde zeigt: Sog. Nackthunde besitzen Tasthaare. Diese können zwar in ihrer Struktur (kürzer, feiner oder gebogen) variieren, sind aber als Sinnesorgane vorhanden und funktional. Das pauschale Urteil „fehlende Vibrissen“ ist anatomisch schlicht falsch.

Chinese Crested Dog mit Vibrissen und Wimpern. Dieser Hund steht exemplarisch für Hunde der Rassen Xoloitzcuintle,  Perro sin Pelo und Chinese Crested Dog

Foto: Sonja Dürr

Recht vs. Realität: Schutz vor Anfeindung und Generalverdacht

Oft werden Verwaltungsgerichtsentscheidungen als „Beweis“ für eine generelle Einstufung als "Qualzucht" herangezogen. Juristisch ist dies jedoch falsch. Urteile basieren oft auf dem alten Gutachten von 1999. Initiativen wie NaHaNu betonen hierbei die soziale Komponente: Halter und ihre gesunden Tiere werden oft einem unberechtigten Generalverdacht und öffentlicher Anfeindung ausgesetzt.

Ein häufiges Missverständnis in der medialen Berichterstattung betrifft auch gerichtliche Entscheidungen zu Zuchtauflagen. Es wird klargestellt, dass es in Deutschland kein Präzedenzfall-System gibt. Bisherige Beschlüsse basieren oft auf summarischen Prüfungen ohne eigene Beweisaufnahme oder stützen sich auf veraltete Sekundärquellen aus dem Jahr 1999. Ein generelles „Qualzuchturteil“ gegen sog. Nackthunde existiert nicht.

Der Schutz dieser Rassen bedeutet auch den Schutz der Halter vor Diskriminierung. Wir stehen am Abgrund der genetischen Vielfalt, wenn wir zulassen, dass Schreibtisch-Entscheidungen und eine hysterische Verbotskultur über das Schicksal lebender, fühlender Wesen entscheiden.

Auch schon die Verwendung des Begriffes "Qualzucht" im Zusammenhang mit den haararmen, exotischen Hunderassen gilt es abzustellen. Im Tierschutzgesetz findet sich die Bezeichnungen „Qualzucht“ nicht. Laut Prof. Dr. Hansjoachim Hackbarth, Fachtierarzt für Tierschutzkunde und ehemaligem Leiter des Instituts für Tierschutz und Verhalten an der Tierärztlichen Hochschule Hannover sowie des Tierschutzzentrums Hannover, sollte der Terminus „Qualzucht“ vermieden werden. Fachleute sind der Auffassung, dass mit diesem Begriff Züchtern eine vorsätzliche Tierquälerei unterstellt würde. Züchter würden hierdurch kriminalisiert. Auch die Expertin Dr. med. vet. Alexandra Dörnath kritisiert die Verwendung dieses Begriffes im Zusammenhang mit der Zucht der exotischen, wenig behaarten Hunderassen immer wieder energisch. Richtig wäre es lt. Dr. Dörnath, von „Paragraf 11 b Tieren“ zu sprechen.

Ein kurzer, aktueller Exkurs ins Ausland:

Parlament von Mexiko trifft vorbildliche Entscheidung

Das Parlament von Mexiko, dem Heimatland des Xoloitzcuintle, würdigt seine Hunderasse und erklärt den 27. Oktober zum Nationalen Tag des Xoloitzcuintle! In einem nächsten Schritt ist geplant, diesen sog. Nackthunden verfassungsrechtlichen Schutz zu gewähren. Welch wunderbarer Umgang mit diesen Hunden, ganz im Gegensatz zu den Aktivitäten einiger Amtstierärzte, die den Xolo wie auch den Chinese Crested Dog und den Perro sin Pelo del Peru in Deutschland mit Verboten geradezu übersähen. Nähere Informationen gibt es in dem Bericht 

 

Sieg für das kulturelle Erbe: Nationaler Tag für Xoloitzcuintle

Exklusiv für zoos.media – 18.04.2026. Autorin: Dr. Kerstin Alexandra Dörnath

Fazit: Schönheit braucht Mut zum Hinsehen

Schönheit offenbart sich oft erst, wenn man den Mut hat, genau hinzusehen. Sog. Nackthunde sind robuste, sportliche und lebensfrohe Begleiter mit einer stillen Eleganz. Wer sie wirklich kennt, weiß: Sie leiden nicht – sie genießen ihr Leben mit derselben Kraft und Freude wie jeder andere Hund auch. Wir fordern die Politik auf, wissenschaftliche Evidenz über populistische, ideologische Strömungen zu stellen und die Willkür gegen diese Ur-Rassen zu stoppen.

Man muss kein Fan der Optik von sog. Nackthunden sein – Geschmäcker sind verschieden. Doch Tierschutz sollte immer auf Fakten basieren, nicht auf Ästhetik oder Vorurteilen. Sog. Nackthunde sind, vielseitige Mitbewohner, die es verdient haben, ohne das Stigma der „Qualzucht“ gesehen zu werden.

Weiterführende Informationen & Video-Dokumentation

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